Fünf Sieg-Schiedsrichter bei FVM-Seminarfahrt

Die drei Sieg-Schiedsrichter Navjot Bamrah, Domenico Garofalo, Justus Kaltenbach, Richard Lemke und Ahmed Rassoul nahmen an der Seminarfahrt des FVM für Jung-Schiedsrichter in Vogelsang teil – unter der Leitung und Begleitung der beiden Sieg-Vertreter Günter Gertmann und Tobias Jochem. Hier der Bericht der Fahrt, den die Jung-Schiedsrichter selbst erstellten.

Fünf Sieg-Schiedsrichter bei FVM-Seminarfahrt

Einleitung

Wir, 24 Jungschiedsrichter aus den Kreisen Köln, Rhein-Erft, Sieg und Berg, waren vom 23. bis 28. Oktober gemeinsam im Gästehaus K13 im Nationalpark Eifel. Dieses Gästehaus befindet sich in einem Ort namens Vogelsang. Begleitet wurden wir von einer achtköpfigen Delegationsleitung, die aus sehr erfahrenen bzw. höherklassig pfeifenden Schiedsrichtern bestand.

Diese Schiedsrichter kamen, genau wie die Teilnehmer, aus den genannten Kreisen: Ivan Mrkalj und Mario Heller aus dem Kreis Köln, Oscar Menzel und Stefan Dannert aus dem Kreis Rhein-Erft, Günther Gertmann und Tobias Jochem aus dem Kreis Sieg und Dennis Schräder und Dominik Kaysers aus dem Kreis Berg.

Außerdem hatten wir dieses Jahr das Glück, von Stella Reinberg begleitet zu werden, einer Physiotherapeutin, die uns die Woche über versorgte und bei muskulären Problemen o.ä. immer zur Verfügung stand. Zusätzlich besuchte uns an den letzten beiden Tagen Stefan Loos, der, genau wie Mario Heller und Ivan Mrkalj, Mitglied im Kölner Kreisschiedsrichterausschuss ist.

Tag 1 Am ersten Tag, dem 23.10, trafen sich alle Jungschiedsrichter am Südstadion in Köln, um gemeinsam mit dem Bus zum Nationalpark zu fahren. Nach der Ankunft und einer ausführlichen Vorstellungsrunde der Jungschiedsrichter folgte eine kurze Einweisung und daraufhin die Zimmerverteilung. Diese Einteilung der Zimmer wurde von der Delegationsleitung übernommen, was dazu führte, dass sich jeder Teilnehmer möglichst mit Schiedsrichtern aus anderen Kreisen ein Zimmer teilte. Diese Mischung erwies sich im Laufe der Woche als sehr positiv, da unter anderem durch das Zusammensein in den Zimmern ein Austausch und ein Kennenlernen zwischen den Jungschiedsrichtern stattfand.

Da wir in dieser Woche täglich einen Regeltest zu absolvieren hatten, folgte auf das Mittagessen an diesem Tag der Vortrag „Wie schreibe ich einen guten Regeltest?“ von Tobias Jochem. Das sollte uns bei zukünftigen Regeltests weiterhelfen. Nach dem darauf folgenden Regeltest gingen wir alle geschlossen auf den Sportplatz, um dort von Stella Reinberg praktische Tipps zum Aufwärmen und zum „dynamischen Dehnen“ zu erlangen, damit wir auch in Zukunft möglichst verletzungsfrei bleiben.

Nach der Regeltestbesprechung und dem gemeinsamen Abendessen bekamen wir prominenten Besuch von Lutz Wagner, einem ehemaligen Bundesliga-Schiedsrichter und heutigen Bundesliga-Beobachter, der bei DFB unter anderem für das Regelwerk zuständig ist. Er berichtete uns auf sehr humorvolle Art über seine Zeit als Bundesliga-Schiri und gab uns viele hilfreiche Tipps für unsere Zukunft auf und neben dem Platz. In der abschließenden Fragerunde erläuterte er uns außerdem offene Fragen zu bestimmten Aussagen im Regelheft.

Ab etwa 20.45 Uhr folgte dann, wie jeden Tag, ein gemütliches Beisammensein, welches daraus bestand, dass sich die Teilnehmer im Gästeraum trafen, um dort miteinander zu reden, Spiele zu spielen oder andere gesellschaftliche Aktivitäten auszuüben.

Tag 2

Der Tag danach begann, wie jeder Tag in dieser Woche, mit einem gemeinsamen Frühstück. Nach dem anschließenden Regeltest begaben sich alle zum Sportplatz, um dort den FIFA-Test zu laufen, welcher ein Intervalllauf ist und unsere Fitness unter Beweis stellen sollte.

Im weiteren Verlauf des Tages bekamen wir eine sehr interessante und spannende Führung durch den Lehrgangsort, und wir erfuhren, wofür unsere Unterkunft und das Gelände zur Zeit des Nationalsozialismus verwendet worden sind.

Als wir von dieser Führung wieder im Gästehaus ankamen, erwartete uns Alexander Feuerherdt, Lehrwahrt und Mitglied des

Kreisschiedsrichterausschusses in Köln, der einen sehr hilfreichen Vortrag über die Körpersprache des Schiedsrichters auf dem Platz hielt. Zusätzlich erläuterte er uns noch die Rolle und Funktion des Videoassistenten und klärte dadurch viele Unklarheiten auf.

Nach dem Abendessen folgte, wie schon am Tag zuvor, die Besprechung des Regeltests. Dennis Schräder beseitigte dabei Unklarheiten und half uns beim Verstehen einiger Antworten.

Tag 3

Der dritte Tag begann ausnahmsweise nicht mit dem Frühstück und einem Regeltest, sondern mit Frühsport. Um 6:50 Uhr trafen wir uns vor dem Gästehaus und liefen daraufhin knapp sieben Kilometer durch das Gelände.

Nach dem Frühstück und dem Regeltest folgte ein Vortrag von Mario Heller, Mitglied des Kreisschiedsrichterausschusses und ranghöchster Schiedsrichter in Köln, über das Verhalten des Schiedsrichters in sozialen Medien. Er zeigte uns anhand von praktischen Beispielen, dass auch Posts ohne böse Absicht eine schlechte Außenwirkung haben können, und gab uns auf den Weg, erst genau nachzudenken, bevor man als Unparteiischer Partybilder oder Ähnliches veröffentlicht.

Nach dem Vortrag hielt Ivan Mrkalj, ebenfalls Mitglied des Kölner Kreisschiedsrichterausschusses, seinen Vortrag „Was macht einen guten Schiedsrichter aus?“. Ivan teilte uns in Gruppen ein, und nach einer gewissen Bearbeitungszeit wählte er aus jeder Gruppe eine Person aus, die die zuvor gesammelten Ergebnisse vor allen Teilnehmern vortragen sollte. Dadurch ergänzten sich alle Gruppen gegenseitig, was dazu führte, dass am Ende ein sehr umfangreiches und spannendes Ergebnis vorlag.

Auf das Mittagessen folgte eine Stationsausbildung auf dem Sportplatz, in der kleinere Gruppen gebildet wurden. Innerhalb dieser Gruppen wurde ein Schiedsrichter bestimmt, der sich selbst in einer Art Rollenspiel wiederfand. Er musste zum Beispiel knifflige Strafstoßsituationen oder Konflikte mit Trainern lösen. Realitätsgetreu wurde dieses Rollenspiel nicht zuletzt dadurch, dass diese Situationen von anderen Jungschiedsrichtern oder Delegierten, die die Rolle eines Trainers oder Spielers übernahmen, gespielt wurden.

Ein weiteres Highlight der Fahrt folgte danach: Mario Heller analysierte mit uns eines seiner Regionalligaspiele und betrachtete mit uns gemeinsam sehr selbstkritisch gute wie schlechte Szenen des Spiels. Diese penible Analyse eines Spiels auf sehr hohem Niveau zeigte uns, was wir in unseren Spielen beachten müssen und worauf man in seinen Partien besonders achten sollte. Zusätzlich zeigte die Analyse auch, was es für Kleinigkeiten zu beachten gibt.

Nach dem Abendessen besuchte uns Jorge Morillo-Ramirez, der Leiter des Verbandsförderkaders (VFK). Er stellte den VFK inhaltlich vor und zeigte auf, warum er ein Ziel für viele Jungschiedsrichter ist. Zudem erzählte er von bemerkenswerten Erlebnissen mit den Mitgliedern des VFK und machte deutlich, warum der VFK in der Laufbahn als Jungschiedsrichter ein absolut erstrebenswertes Ziel ist.

Am dritten Tag unserer Fahrt trafen wir uns abends alle gemeinsam im Gästeraum und schauten das DFB-Pokalspiel zwischen RB Leipzig und Bayern München.

Da wir im Laufe des Tages die Aufgabe bekommen hatten, einen Regeltest für die Delegationsleitung zu erarbeiten, versammelten sich viele Teilnehmer während der Halbzeitpause im Aufenthaltsraum, um sich möglichst schwierige Regelfragen auszudenken.

Tag 4

Der vierte Tag unserer Seminarfahrt startete nach gemeinsamen Frühstück und dem Schreiben des täglichen Regeltests mit einer Forumsarbeit, bei der sich die Delegations-Mitglieder Ivan Mrkalj, Oscar Menzel und Tobias Jochem auf verschiedene Räume verteilten und mit uns anhand von theoretischen und praktischen Beispielen die Themen „Zusammenarbeit im Team“, „Persönlichkeit“ und „Stellungsspiel“ besprachen.

Nach Beendigung dieser Forumsarbeit begaben wir uns auf den Fußballplatz und spielten zusammen Fußball.

Am Nachmittag folgte der zweite Teil unserer Führung durch das Gelände Vogelsang, bei der wir uns speziell mit Personen und Ereignissen in Vogelsang während des Nationalsozialismus beschäftigten.

Für den Abend war geplant, dass uns Bundesliga-Schiedsrichter Sascha Stegemann besuchen sollte. Jedoch hatte er am folgenden Tag das Bundesligaspiel des Mainz 05 gegen Eintracht Frankfurt zu leiten, weshalb er leider nicht kommen konnte. Stattdessen zeigte Stella uns auf dem Sportplatz weitere Aufwärmübungen.

Anschließend besuchte uns Peter Oprei, der Vorsitzende des Verbandsschiedsrichterausschusses. Peter erzählte uns von Aufstiegsmöglichkeiten als Schiedsrichter im Verband und vom Weg in noch höhere Ligen. Dieser Vortrag zeigte uns Jungschiedsrichtern nochmals auf, wie schwer und lang der Weg zum professionellen Schiedsrichter ist und was es für Hindernisse zu überwinden gilt.

Nach diesem Vortrag stellte ein Teil von uns den Regeltest für die Delegationsleitung fertig.

Tag 5

Am vorletzten Tag unserer Seminarfahrt besuchte uns Marc Jäger aus dem Kreis Euskirchen. Er führte mit uns auf dem Sportplatz eine praktische Abseitsschulung durch, in der jeder von uns viermal Schiedsrichterassistent war und knifflige Abseitssituationen auf dem Platz entscheiden musste. In der am nächsten Tag folgenden Videoanalyse dieser Entscheidungen merkten wir, dass Situationen, die auf dem Platz sehr schwer und knapp aussehen, sich im Video weitaus klarer darstellen können.

Der Regeltest, den wir am Tag zuvor geschrieben hatten, wurde von uns nach dem Mittagessen mithilfe des Regelheftes bearbeitet und kontrolliert.

Nach der Besprechung hielt Ivan einen Vortrag über die verschiedenen Spielertypen. Die Aufarbeitung des Vortrags gestaltete er, indem er uns in kleinere Gruppen einteilte und jeder dieser Gruppen einen Spielertyp zuteilte. Nachdem wir diese verschiedenen Spielertypen vor der gesamten Gruppe dargestellt hatten, zeigte Ivan uns verschiedene Methoden, wie man mit den unterschiedlichen Spielertypen umgehen kann. So gab er uns beispielsweise verschiedene Sprüche und generell Mittel und Möglichkeiten mit auf den Weg, mit denen man im Spiel adäquat auf Aussagen bestimmter Spielertypen reagieren kann.

Nach Ivans Vortrag brachte uns Stella auch theoretisch bei, warum intensives Aufwärmen und dynamisches Dehnen für Schiedsrichter sehr wichtig ist. Außerdem zeigte sie uns auf, was relevant für die Regeneration nach dem Spiel ist. Die Tipps in diesem Vortrag waren also sehr wichtig für uns, um möglichst verletzungsfrei zu bleiben.

Nach dem Abendessen wurden kreisinterne Einzelgespräche mit jedem Teilnehmer geführt. Diese waren sehr wichtig für uns, da uns darin aufgezeigt wurde, was unsere charakterlichen Stärken und Schwächen sind, und uns somit nahe gebracht wurde, wie man in einer Gruppe wahrgenommen wird und was man ändern oder beibehalten sollte, um ein gutes Bild abzugeben und gleichzeitig man selbst zu sein. Außerdem wurden die Ergebnisse der Regeltests und der Lauftests gezeigt.

Da dies der letzte Abend war, wurde unsere Nachtruhe von 23:00 auf 0:00 Uhr verschoben, und wir ließen den Abend und somit die Seminarfahrt gemütlich gemeinsam ausklingen.

Im Laufe dieses Tages wurde außerdem von der Delegationsleitung der von uns erstellte Regeltest bearbeitet. Dieser Regeltest, der sehr knifflige Fragen beinhaltete, wurde von uns sehr kleinlich korrigiert. Dies führte dazu, dass niemand der Delegierten die volle Punktzahl erreichte.

Tag 6

Am letzten Morgen unserer Fahrt fassten wir gemeinsam zusammen, was uns an der Fahrt gefiel und was man das nächste Mal besser machen könnte. Nach diesem Resümee wartete auch schon der Bus auf uns, und wir fuhren alle gemeinsam nach Köln, wo sich dann wieder unsere Wege trennten.

Fazit

Abschließend ist zu sagen, dass die zehnte Jungschiedsrichter-Seminarfahrt durch die sehr gute Organisation unserer Delegationsleitung ein voller Erfolg war!

Dadurch, dass wir jeden Tag mehrere Vorträge, sportliche Aktivitäten oder ähnliches auf dem Plan hatten, wurde es nie langweilig, und es gab viel Abwechslung. Von Vorträgen über die physische Spielvorbereitung bis hin zu einer praktischen Abseitsschulung war alles dabei.

Die Delegationsleitung selbst hat einen sehr großen Teil dazu beigetragen, da sie freiwillig eine Woche „geopfert“ hat, um uns menschlich und im Schiedsrichterwesen weiterzubringen. Es wurden Stärken und Schwächen eines jeden Jungschiedsrichters ausfindig gemacht und im Einzelgespräch angesprochen, um Tipps für die weitere Zukunft zu geben.

Außerdem war schon nach wenigen Tagen ein großer Zusammenhalt in der Gruppe erkennbar, der dadurch entstand, dass ein Großteil unserer Aktivitäten nur durch Interaktion untereinander stattfinden konnte. Dieser kreisübergreifende Zusammenhalt sorgte nicht nur für mehr Spaß, sondern auch für eine hohe Produktivität, wodurch viel Wissen in Vorträgen o.ä. sehr viel einfacher erlangt werden konnte.

Diese Woche war für uns also nicht nur eine Chance, sich regeltechnisch, lauftechnisch oder charakterlich zu präsentieren, sondern auch eine super Erfahrung mit vielem neu erlangtem Wissen und vielleicht sogar einer Entwicklung der eigenen Persönlichkeit.

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